Überfüllungen anlegen
Für spezielle Druckverfahren und Verpackungsdesigner ist es häufig nötig, die Illustration direkt in Illustrator zu überfüllen. Dabei werden sogar manchmal besondere Anforderungen gestellt, die in Illustrator aber alle lösbar sind.
Wir können die verschiedenen Funktionen von Illustrator einmal an Beispielen durchgehen.
1. Es wird eine einfache Überfüllung für Volltonfarben benötigt
In unserem Beispiel grenzen einfach zwei Flächen mit Volltonfarben aneinander.

Aktivieren Sie die beiden Elemente. Wählen Sie nun aus dem Bedienfeld „Pathfinder“ den Befehl „Überfüllen“ aus.

In nächsten Dialog können Sie nun festlegen, ob die Flächen über- oder unterfüllt werden sollen. Für eine Unterfüllung setzen Sie das Häkchen bei „Überfüllungen umkehren“. Die Stärke der Überfüllung wird immer in Punkt angegeben. Mit der Option „Farbtöne verringern“ erreichen Sie, dass die Farbfläche nicht 100% überdruckt sondern nur mit einem 40 % Wert überdruckend angelegt wird.

Die Option „Höhe/Breite“ verändert das Verhältnis von waagerechten zu senkrechten Flächen für die neue Überfüllungsfläche. Bei Werten unter
100 % werden die waagerechten Linien dünner, bei Werten über 100 % werden die waagerechten Linien fetter.
Die Option „Überfüllen mit CMYK“ wandelt die Vollton-Farbe des Überfüllungsobjektes in eine CMYK-Farbe um. Das geht nicht bei Unterfüllungen und führt oft zu keinem Ergebnis. Wenn Illustrator nämlich feststellt, dass keine Überfüllung mit CMYK nötig ist, weil die Farben bei einer Umwandlung in CMYK keine Überfüllung benötigen.
Die Überfüllung bei zwei Pantonefarben sieht so aus:

Die beiden Grundfarben bleiben als Sonderfarbe erhalten und die neue Fläche für die Überfüllung hat diese Farbe:

Im Bedienfeld „Ebenen“ ist ein neues Element erzeugt worden.

Die Attribute für das neue Element sind automatisch so eingestellt, dass die Fläche darunterliegende Elemente überdruckt.

Wird die Überfüllung umgekehrt also eine Unterfüllung angelegt, sieht das Ergebnis so aus:

Da die Überfüllung eine separat bearbeitbare Fläche ist, können Sie auch manuell mit dem Direktauswahlwerkzeug einen Punkt anfassen und eine Gehrung in die Überfüllungsfläche zaubern.

Erst bei eingeschalteter Überdruckenvorschau werden Sie einen Eindruck des späteren Druckergebnisses auf dem Bildschirm sehen.

2. Es wird eine einfache Überfüllung für Prozessfarben benötigt
Nehmen wir einmal an, dass Sie die beiden Pantonefarben in Prozessfarben umgewandelt haben und dann eine Überfüllung von Illustrator errechnen lassen möchten.
Dann sollten Sie bedenken, dass beide Farben Gelb enthalten und Illustrator daher später in der Separation eine vollständige gelbe Fläche ausgibt. Daher ist das Programm der Meinung, dass Sie keine Überfüllung brauchen. Seit Illustrator
CS4 können Sie nun mit Hilfe der Separationsvorschau schon prüfen, wie die Farbauszüge aussehen werden.
Sie wählen also wieder die beiden Objekte und den Befehl aus dem Bedienfeld „Pathfinder --> Überfüllen“ aus.

Wandeln Sie die Farben notfalls in Sonderfarben um, um eine Überfüllung zu berechnen. Danach können sowohl die Farben der Ellipsen als auch die Farbe der Überfüllungsfläche in CMYK gewandelt werden.
Nur wenn Farben aufeinander treffen, die keine gemeinsamen Farbanteile haben, z. B. ein reines Gelb bestehend aus 100 % Y und ein reines Magenta bestehend aus 100 % Magenta, kann der Befehl ein Ergebnis erzeugen.
Das gleiche gilt, wenn die Sonderfarben eine Überfüllung in CMYK bekommen sollen. Diese Option funktioniert auch nur, wenn die beiden Sonderfarben keine gemeinsamen Farbanteile haben. Ein Gelb und ein helles cyanartiges Blau funktioniert. Rot und Grün dagegen funktioniert nicht, weil die Farben den gemeinsamen Gelbanteil führen.
3. Verwendung des Effektes zur Überfüllung
Der Befehl aus dem Bedienfeld „Pathfinder“ erzeugt direkt ein Objekt, das Sie noch bearbeiten können. Es gibt zusätzlich einen Effekt, der das gleiche tut, also eine Überfüllung berechnet. Nur können Sie diese nicht mit einer Gehrung versehen oder ohne den Effekt verändern. Das ginge nur, wenn Sie das Aussehen umwandeln.
Um den Effekt anwenden zu können, müssen Sie die Objekte gruppieren. Sie gruppieren also erst einmal alle Elemente, für die eine Überfüllung berechnet werden soll. Dann wählen Sie aus dem Menü „Effekt --> Pathfinder --> Überfüllen“ aus.

Stellen Sie wieder die gewünschte Stärke ein (zwischen 0,01 Punkt und 5000 Punkt) und wählen Sie die Optionen z. B. den Wert für die Verringerung der Farbtöne.
Jetzt können Sie im Bedienfeld „Aussehen“ die Gruppe mit dem angewendeten Effekt sehen und im Bedienfeld „Ebenen“ den grauen Knopf für das Aussehen der Gruppe. Ein Objekt für die Überfüllung wird nicht generiert. Dieses entsteht erst, wenn Sie das Aussehen umwandeln.

4. Aussehen-Attribute einstellen, als manuelle Überfüllung
Für besondere Überfüllungseffekte können Sie einfach das Bedienfeld „Aussehen“ und das Bedienfeld „Attribute“ verwenden.
Nehmen wir einmal an, Sie möchten, dass eine Sonderfarbe einfach eine Überfüllung bekommt, die ein anderes Objekt zu 100 % Überdrucken soll. Sie benötigen also keine Farbtonverringerung. Dann war es früher oft üblich, einfach eine Linie um das Objekt zu legen und diese in der gleichen Farbe wie die Füllung des Objektes zu definieren. Anschließend wurde nur die Kontur auf Überdrucken gestellt. Diese Art der manuellen Überfüllung findet man heute noch manchmal.


Diese Art der Überfüllung hat oft den Nachteil, dass das Objekt dann größer wirkt. Daher geht man oft so vor, dass nicht alle Farben der Fläche in der Kontur verwendet werden. Beispielsweise könnte nur Magenta genutzt werden. Das ist dann einfach durch eine Änderung der Farbe des Objektes zu machen.
Für Produktioner nicht so schön, ist häufig die Angabe der Überfüllungswerte in Punkt. Wenn es einen vorgegebenen Millimeter-Wert gibt, können Sie auch eine zweite Fläche nutzen. Diese wird dann mit dem Effekt „Pfad verschieben“ einfach um den gewünschten Wert vergrößert. Nur die neue Fläche steht dann auf „Überdrucken“.

Das Ergebnis sieht dann so aus, dass die Magenta-Fläche für die Überfüllung auch für den weißen Hintergrund eine Überfüllung macht. Das ist aber oft gewünscht.

Sollen andere Elemente, wie beispielsweise ein Schlagschatten, der auch einfach ein Effekt ist, unterfüllt werden, können Sie auch diese Form der doppelten Flächen nutzen.

Der Schlagschatten steht grundsätzlich schon einmal im Modus „Multiplizieren“. Das sieht genauso aus wie Überdrucken. Damit werden die Hintergrundfarben vom Schatten überdruckt. Wenn nun wieder die zweite Fläche etwas größer und überdruckend angelegt wird, scheint der Schatten eine Unterfüllung zu machen.
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